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Der Roman Nachtrichter ist ein gelungenes Werk eines DSA-Romans.
Er weiß inneraventurisch durch Stimmigkeit seiner Charaktere, Handlungen und Umgebung zu trumpfen, und ist diesbezüglich sicher für Interessierte zu empfehlen. Insbesondere die Ausgestaltung des tulamidisch angehauchten Feqz-Kultes statt der üblich mittelreichischen Phex-Kirche ist auch für Freunde des Lands der Ersten Sonne einen Blick wert. Man sieht hier wohlabgerundete Charaktere, deren Streben und Lernen man miterleben kann, und wie sie sich in ihrem Abenteuer verhalten. Hier ist insbesondere der Grauling sehr schön dargestellt.
Was die Kriterien eines Romans selbst angehen ist er etwas weniger bestechend, so ist zwar die Handlung sehr spannend bis zum Schluss und auch nicht unlogisch oder unnatürlich, aber einige der Seitenstränge die ins Hauptgeflecht führen waren nicht ganz greifbar. Darunter die Rolle der Weißmagierin die auftaucht und dem Fasarer Faisal Probleme bereitet, denn was genau sie antrieb und was mit ihr geschehen ist blieb mir viel zu unklar und hinterließ ein bisschen Enttäuschung. Es ist mehr ein Fehlen von einigen nicht beschriebenen Geschehen, wie dasjenige der Händlerin und der zwei Banden, als das was beschrieben wird, was dem Buch fehlt. Der Haupthandlung tut dies zwar keinen Abbruch, und nimmt auch nichts von der Spannung, man verliert aber etwas an Nähe zum Buch und braucht wieder ein klein wenig Zeit um geistig wieder eintauchen zu können. Verwirrend sind hin und wieder die Verwendung von Gesellen und Meistertiteln, wobei man dies nicht der Autorin anlasten sollte, denn hier hielt sie sich im Gegensatz zu anderen an die inneraventurische Setzung und hatte kaum Spielraum es anders zu gestalten.
Der Anfang ist meines Erachtens nach einfach großartig, werden doch hier in einer beinahe alltäglich anmutenden Marktszene eine Umgebung geschaffen, Akteure aufgestellt und eine Stadt beschrieben, welche das ganze Buch sofort in eine lebendige Atmosphäre rückt. Es bedarf keiner langen Einleitungen, Geschichtsabrisse oder ähnlichem, sondern stürzt sich direkt ins Geschehen. Es gibt viel "Action", schöne Einfälle der Akteure und das absolut nachvollziehbare Handeln des Graulings, der jetzt einfach mal etwas machen möchte. Die Mitte des Buches zeigt schön die Fähigkeiten Adaras bei einer alchimistischen Analyse und dem Alchimisten dessen Labor sie benutzen darf, wirklich sehr schöne Szenen. Das Ende ist phexisch, funktioniert rein aus der bisherigen Handlung heraus und ist mit einigem an Spannung geladen, kann doch selbst eine der Befreiten sich durch Versuchung gegen ihre Befreier wenden. Aber mehr sei nicht verraten.
Alles in allem ist das Buch für Freunde Phexens ein wirklich guter Handel. Wer große rondragefällige Kämpfe oder die wilde Fährnisse der Natur erleben möchte wird hier zu nichts kommen. Aber wer gerne das Leben in einer Kleinstadt, einer Diebesbande oder das aventurische Leben unter dem Mantel der Nacht ersehnt, wird mit Nachtrichter sehr viel Freude haben. Daher 4 Sterne, da keiner der angeführten Makel so schwer wiegt dass er das Buch als ganzes und all die Lesefreude abwerten würde.
Viel Spaß beim Lesen!
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